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30.10.15:TuS Oeventrop will um die Sporthalle kämpfen

TuS Oeventrop will um die Sporthalle kämpfen

Oeventrop ist sich aber in der Flüchtlingsfrage einig und bereit zur Hilfe

Mit über 200 Besuchern war die kleine Schützenhalle bis auf den letzten Platz besetzt. Was zunächst als „Runder Tisch“ gedacht war, entwickelte sich im Laufe der letzten Tage zu einer Bürgerversammlung. Deshalb hatte der Bezirksausschussvorsitzende Klaus Büenfeld die Versammlung auch vom Speisesaal in die Kleine Halle verlegen lassen. Er bedankte sich bei der Bruderschaft für das kurzfristige Engagement, besonders durch Hallenwart Willigerd Böckeler, der dies möglich gemacht habe.

Als Vertreter der Stadt war der Beauftragte für das Flüchtlingswesen, Herr Helmut Melchert erschienen, der einen schweren Gang vor sich hatte.

Büenfeld entschuldigte zunächst die Abwesenheit von Bürgermeister Vogel; er, Büenfeld, habe diesen heutigen Termin mit Herrn  Melchert ohne Absprache mit dem Bürgermeister getroffen und hätte von dessen wichtigen Terminen außerorts nichts gewusst. Für die Abwesenheit des Bürgermeisters zeigte die Versammlung allerdings kein Verständnis, sie fühlte sich ausgetrickst!

Helmut Melchert erklärte zunächst ausführlich und gut verständlich die derzeitige Sachlage. NRW müsse 21,2% aller Flüchtlinge aufnehmen. Auf Arnsberg entfallen bis September somit 750 Flüchtlinge. Diese Zahl war im Sommer als Jahresobergrenze gedacht; durch die aktuelle Flüchtlingswelle wurde die Zahlen aber ad absurdum geführt: es sei mit rund 1000 Flüchtlingen in der Stadt bis Jahresende zu rechnen.

Herr Melchert erklärte, dass zur Zeit alle nur denkbaren Möglichkeiten ausgeschöpft seien und man jetzt an Objekte rangehen müsse, die der Bevölkerung auch weh tun, da es sie zu Betroffen macht. Melchert erklärte weiter, dass die Flüchtlingsunterbringung eigentlich problemlos zu lösen sei, wenn die ca. 2000 leerstehenden Wohnung genutzt werden könnten. Die Zahl 2000 wurde durch die RWE mitgeteilt, da dies alles abgemeldet Stromzähler sind. Adressen dürfen aber wegen des Datenschutzes nicht weiter gegeben werden. Herr Melchert appellierte an die Bevölkerung, doch die leerstehenden Wohnungen bei der Stadt zu melden, um sie für Flüchtlinge bereit zu stellen; allerdings könne die Stadt keine Mondpreise für die Wohnungen zahlen! Bei Verhandlungen mit dem Kloster in Glösingen hätten die Betreiber, eine islamische Gesellschaft, für 6 Zimmer 30.000 Euro verlangt (soviel zur Solidarität der Araber!).

Herr Melchert erklärte weiter, dass den ca. 90 Flüchtlingen in der Sporthalle keine Kochgelegenheiten zur Verfügung gestellt werden könnte. Es wäre unmöglich, dort 10 oder mehr Elektroherde aufzustellen, dies würde zu großen Konflikten unter den Bewohnern führen. Die Flüchtlinge werden also durch einen Cateringservice morgens, mittags und abends versorgt, was wiederum der Stadt viel Geld kostet.

Weiterhin wird ein Hausmeister ganztägig vor Ort sein, der auch das Heim in den Oeren, in dem zur Zeit über 50 Flüchtlinge untergebracht sind, mit betreuen wird.

Nach der Erklärung von Herrn Melchert meldete sich zunächst TuS-Geschäftsführer Benno Susewind zu Wort. Er machte dem Bürgermeister die schwersten Vorwürfe, dass er diese Maßnahme getroffen habe. Er wies darauf hin, dass Thomas Röttger gleich die Belegungszahlen des TuS für Trainingseinheiten bekannt geben werde. Büenfeld erklärte, dass die Belegung der Halle keine Entscheidung des Bürgermeisters gewesen sei, sondern von den Mitgliedern des Stadtrates beschlossen wurde, der Vorwurf an den Bürgermeister sei also ungerechtfertigt.

Anschließend trat Thomas Röttger an das Mikrofon. Er befragte Herrn Melchert, ob er sich im Vorfeld mal mit der Belegung der Sporthalle durch den TuS beschäftigt habe. Dieser verneinte dies, dass er darin auch keine Notwendigkeit gesehen habe.

Röttger teilte mit, dass in der Sporthalle und im Gymnastikraum monatlich 26 Sportarten angeboten werden, die von regelmäßig 1908 Sportlerinnen und Sportlerinnen besucht werden. Der TuS Oeventrop, sei gemessen an der Bevölkerungszahl, mit über 2500 Mitgliedern der größte Sportverein in ganz Südwestfalen. Und dieser Verein werde von der Stadt zu den „Deppen von Arnsberg“ gemacht gemäß dem Motto: Friss, was die Stadt dir vorsetzt! Dies sei ein Armutszeugnis für den Bürgermeister. Röttger wies auch auf das leerstehende Kreiswehrersatzamt in Arnsberg hin. Dazu erklärte Melchert, diese Räumlichkeiten habe der RP als notwendige, zusätzliche Büroräume für die Flüchtlingsbewältigung in Anspruch genommen und ständen somit nicht zur Verfügung. Weiterhin wiesen Susewind und Röttger auf die schlechte Auslastung der Sporthalle „Große Wiese“ hin. Diese würde von der Stadt nicht belegt, weil man es dort mit 30-40.000 Menschen zu tun bekäme, in Oeventrop aber nur mit sechseinhalbtausend, man habe sich offensichtlich für den Weg des geringsten Widerstandes entschieden.

Röttger fragte Herrn Melchert noch einmal eindringlich, warum er sich im Vorfeld nicht mit den Belegungszahlen der Halle vertraut gemacht habe. Melcher erklärte, dass dies nicht seine Aufgabe sei, er müsse für die Flüchtlinge Unterbringungsmöglichkeiten schaffen und dabei kämen alle Möglichkeiten, die sich der Stadt bieten, auf den Prüfstand. Er habe dem Bürgermeister erklärt, dass er keine Möglichkeiten mehr sehe, kurzfristig größere Kapazitäten zu erschließen, deshalb müssten jetzt auf Immobilien der Stadt zugegriffen werden. Man habe sich auf die Sportstätten geeinigt und den Fachbereich Sport befragt, welche Sporthalle dazu am geeignetsten wäre, da sei ihm ganz klar Oeventrop mitgeteilt worden. Dies sei dem Rat so vermittelt worden und der habe es abgesegnet! Weiterhin wies Rötter auf die Unzulänglichkeiten der Sporthalle hin, die klimatisch eine Katastrophe sei. Im Winter könne man ja noch durch Heizen Abhilfe schaffen aber im Sommer seien die Verhältnisse dort unerträglich. Außerdem existieren in der ganzen Halle bei den Damen 2 und bei den Herren 1 Toilette, 3 Toiletten für 90 Personen, das sei menschenunwürdig, dies wurde von einer Dame mit Ortskenntnissen mitgeteilt.

Rechtsanwalt Bernhard Kraas meldete sich zu Wort und befragte Herrn Melchert nach den bestehehenden Verträgen zwischen Stadt und TuS Oeventrop. Kraas erklärte, wenn es Mietverträge zwischen den beiden Partnern gäbe, könne die Stadt ohne Kündigung dieser Verträge, die Halle überhaupt nicht belegen, da eine Kündigungsfrist von Monaten bindend sei.

Von einem Diskussionsteilnehmern wurde mehrfach die Egge-Klinik ins Gespräch gebracht. Melchert erklärte, dass man mit der Besitzerin keine Einigung habe erzielen können. Der Diskutant, der früher in der Salus-Klinik gearbeitet hat und die Inhaberin persönlich kennt und letzte Woche im Rheinland mit ihr gesprochen habe, erklärte, nach ihrer Aussage habe die Stadt die Verhandlungen abgebrochen.

Nachdem die Diskussion sich über einen längeren Zeitraum um die nicht zur Verfügung stehende Egge-Klinik drehte, ergriff der TuS-Vorsitzende Axel Koßmann das Wort. Er wies ausdrücklich darauf hin, dass die Besucher der Eggesiedlung auf keinen Fall den Eindruck gewinnen sollten, der TuS habe die Egge-Klinik ins Gespräch gebracht, jede Verdächtigung in diese Richtung weise er von sich, der TuS habe damit nichts zu tun.

Auch von Koßmann wurde erklärt, dass der TuS auf jeden Fall für die Betreuung von Flüchtlingen mit ins Boot steigt, diese Aussage machte auch Schützenoberst Johannes Bette, woran auch in der Versammlung und in Oeventrop wohl niemals je einer gezweifelt haben mag.

Bernhard Kraas teilte mit, dass er, sobald ihm die Verträge vorliegen, diese darauf hin prüfen werde, ob die Stadt überhaupt zur Kündigung berechtigt sei!

Büenfeld erklärte zum Schluss, dass er mit Herrn Melcher am heutigen Morgen den Bürgermeister aufsuchen werde, um mit ihm über das Problem der Oeventroper Sporthalle zu reden.

Zum Versammlungsschluss zog Pfarrer Thomas sein Fazit aus dieser Aussprache: OEVENTROP SAGT JA, aber nicht auf diese Art!

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Runder Tisch wurde ins Leben gerufen

Immer wieder zeigte sich die große Bereitschaft der Anwesenden, den Flüchtlingen zu helfen

Dies kam ganz besonders zum Ausdruck, als nach der Diskussion Pfarrer Ernst Thomas die Moderation übernahm und zur Gründung eines „Runden Tisch“ im Anschluss an die Versammlung aufrief. Es waren um die 100 Personen, die dazu bereit waren, die einen großen Kreis bildeten und gemeinsam in entspannter Atmosphäre darüber diskutierten, wie den Flüchtlingen zu helfen sei, wenn sie denn evtl. Ende der nächsten Woche kommen.

Sehr hilfreich waren hier die Personen der Caritas und anderen Organisationen, die in Sundern und an der Pestalozzi-Schule bereits seit längerer Zeit tätig sind. Sie waren begeistert von der großen Zahl an Freiwilligen. Die Bereitschaft in den anderen Städten und Dörfern sei auch dort überall groß, beschränke sich aber auf unter 25 Personen. Hier gleich 100 zu sehen, das mache ihnen Mut!

Die Schwerpunkte der Notwendigkeiten wurden herausgearbeitet und werden nun zu einem Arbeitspaket zusammengefasst. Interessierte Bürgerinnen und Bürger können sich in Kürze auf www.Oeventrop.de in eine Liste eintragen, wie sie sich persönlich in die Flüchtlingsunterstützung einbringen möchten.

Die Oeventroper Ärzte Dr. Weber, Dr. Kintrup und Dr. Altenwert hatten schon vorab ihre Bereitschaft zur Mitwirkung und Unterstützung gegeben!

Es wurde ein Orga-Team gebildet aus den Personen Pfarrer Thomas, Klaus Büenfeld, Gerd Stodollick, Nicole Echterhoff, Monika und Bernhard Kraas sowie Johannes Bette.

Das ORGA-Team trifft sich am Mittwoch, dem 4.11., um 17.30 Uhr im Pfarrheim. Dort soll dann das weitere Vorgehen und eine Bestandsaufnahme der freiwilligen Helfer erfolgen.

Das nächste Treffen des „Runden Tisch“ wird über www.oeventrop.de und über Facebook bekannt gegeben! Dort müssten Sie sich der Gruppe: „Wir sind Oeventroper…“ anschließen, um die Beiträge lesen zu können!

Text und Fotos: Franz-Josef Molitor