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28.6.17: Freienohler Windpark: Wenn Ratsvertreter auf Wirklichkeit treffen

Freienohler Windpark:

Wenn Ratsvertreter auf Wirklichkeit treffen

Wegen der notwendigen Änderung des Flächennutzungsplans bezüglich eines Windparks im Suchraum Nr. 2 (Rümmecke) hatte der neu gegründete Verein "Gegen Windkraft in Wäldern - Naturfreunde Ruhrtal e.V." den Bürgermeister der Stadt Meschede Christoph Weber, den Fachbereichsleiter Planung und Bauordnung Klaus Wahle und die Mescheder Stadtvertreter zu einem Ortstermin am 22. Juni in der Rümmecke eingeladen.

Sinn dieses Termins war es, den Stadtvertretern die Problemfelder an Ort und Stelle vor Augen zu führen.

Der Vorsitzende des Naturschutzvereins Thomas Röttger begrüßte die 18 erschienenen Personen, anschließend übergab er die Moderation an Dr. Frank Kintrup, der die besorgniserregenden vier Problempunkte auf der anschließenden Exkursion erläuterte.

Ein großes Problem ist der Wegebau, der zu einer unglaublichen Verwüstung des "Kohlsiepenbachtal" führen wird. Das genannte Tal ist ein sehr enges und gesetzlich geschütztes Bachbiotop. Bisher zieht sich ein 3 Meter breiter Waldwirtschaftsweg das Tal hinauf. Da dieser Weg aber zu einer 4,5 m breiten Fahrstrecke ausgebaut werden muss, hatte ABO-Wind zunächst die Verrohrung des Baches mit anschließender Aufschüttung geplant, um eine entsprechend breite Trasse erstellen zu können. Dieses wurde aber wegen des schützenswerten Tales vom HSK verworfen und als Alternative die Verbreiterung des Wirtschaftsweges an der Bergseite vorgeschlagen, da durch diese Maßnahme das gesetzlich geschützte Biotop überhaupt nicht beeinträchtigt wird. Bauingenieur Christoph Schmidt erklärte anhand großformatiger Pläne, welch katastrophales Ausmaß das Abtragen des jetzt schon extrem steilen Geländes bedeutet. Sein Büro hatte errechnet, dass nur allein für die ca. 750 m lange Strecke ungefähr 450 LKW- Ladungen mit 3-Achser-Kippern an Waldboden entfernt werden müssten, die aber nicht vor Ort deponiert, sondern anderswo abgeladen werden müssten.

Oberhalb des Tales macht der Waldweg eine sehr steile 90-Grad-Kurvenbiegung. Schmidt wies darauf hin, dass für den Transport der 60 m langen Flügel aber ein Radius von ca. 50 Metern erforderlich sei. Dazu müssten in der Kurve etwa 35 m weggebaggert werden (ca. 2000 qm), was zu einer weiteren Anhebung der Steigung führt.

Ein weiterer Knackpunkt ist für die Vereinsmitglieder die Beeinträchtigung der Umwelt. ABO-Wind hatte dazu geschrieben: "Durch den Windpark ergeben sich keine erheblichen oder nachhaltigen Beeinträchtigungen der vielfältigen Funktion des betroffenen Waldes". Wir, die Naturfreunde, meinen: Dies ist völlige Schönfärberei! Enormer Lärm, Abgase und Feinstaub während der Bauphase von weit über 1000 Fahrten von Baustellen-Fahrzeugen werden auf die Natur und vor allem auf die Freienohler Anwohner in der Rümmecke und an der B 7 zukommen.

Für jedes Windrad wird eine Stellfläche sowie für Lagerungsstätten von Baumaterial u.ä. eine Waldfläche in der Größe eines Fußballfeldes für immer zerstört.

Je Fundament werden ca. 1100 cbm Beton + Stahl (Gewicht ca. 3000 Tonnen) benötigt, das entspricht rd. 150 Betonmischfahrten pro Windrad, insgesamt also ca. 750 LKW-Fahrten jeweils hin und zurück (also 1500) für alle fünf Windräder.

Zum Thema Artenschutz waren vom Verein für Natur- und Vogelschutz im HSK Bernhard Koch und Martin Lindner erschienen. Koch berichtete, dass er schon seit mehr als 20 Jahren den dort oben lebenden Schwarzstorch beobachte und die jährliche Brutaufzucht verfolge. Durch die 5 Windräder würde diese schützenswerte Vogelart sehr stark gefährdet und vermutlich auch durch Flügeltreffer getötet, weil Vögel die umliegenden Feuchtgebiete bis hin zur Ruhr oder sogar bis zur Möhne als Futterstellen aufsuchen und dabei das Gebiet mehrfach in allen Richtungen durchfliegen. Die Existenz des Schwarzstorches wurde auch bereits durch den Gutachter nachgewiesen. Dies hat schon dazu geführt, dass auf die geplanten Windräder 6,7, und 8 bereits von ABO-Wind verzichtet wurde. In dem Gutachten wurde aber nur die eine Flugrichtung ausgewiesen. Dieses wurde von einem Gutachter vermerkt, der im Auftrag von ABO-Wind das Gebiet ein paar Mal besucht hat und zu dieser Feststellung gekommen ist. Koch, der das Gebiet seit über 20 Jahren beobachtet, hat ganz andere Erkenntnisse. Anwesende Jagdpächter bestätigten übrigens diese Aussagen wobei dieser ziemlich resigniert feststellte: " Solche Diskrepanzen erleben wir immer wieder: wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing". Objektivität kann man vom Betreiber bezahlten Gutachtern nicht erwarten.

Jagdpächter Dr. Werner Noeke berichtete in diesem Zusammenhang, dass er vor zwei Jahren dort einen jungen Mann beobachtet habe, der als Student Naturbeobachtungen für Gutachter durchführte. Unter anderem hatte der Student ihm berichtet, dass er so etwas wie hier oben noch nie erlebt habe. "Hier sind Tiere und Vögel, die habe ich in der ganzen Eifel noch niemals gesehen!"

Martin Lindner wies auf die Existenz von Rotmilanen, Wanderfalken, Uhu und Wespenbussard hin, allesamt schützenwerte Arten, die durch die 5 Windräder hochgradig gefährdet seien und in diesem Gebiet aussterben würden.

Leidenschaftlich plädierte abschließend Dr. Harald Gampe für den Erhalt der Landschaft auf der Hellefelder Höhe und auf dem sich anschließenden Höhenzug, auf dem die Freienohler Windräder geplant seien. Dieser Höhenzug sei unbedingt schützenwert. Das habe auch schon die Untere Landschaftsbehörde HSK (ULB) v. 4/) 2012 festgestellt, wenn es heißt: ….Ferner handelt es sich bei der Hellefelder Höhe um einen exponierten Höhenzug mit einer hohen Empfindlichkeit des Landschaftsbildes gegenüber der Errichtung von WEA, da sie eine erhebliche großräumige Beeinträchtigung des Landschaftsbildes bedingen. So hat die Hellefelder Höhe nicht nur eine besondere Bedeutung als nördliche Raumkante des sog. "Alten Testaments", sondern wirkt auch aus den Nachbarkommunen Arnsberg und Meschede her gesehen als natürliche Horizontlinie. Aufgrund der Fernwirkung des Höhenzuges und der besonderen Bedeutung für das Landschaftsbild bestehen erheblichen Bedenken gegenüber der Ausweisung einer Konzentrationszone für Windenergieanlagen an dieser Stelle.

Dr. Gampe weiter: "Dass dieses Gebiet bereits durch die Autobahnbrücke optisch in Mitleidenschaft gezogen worden ist, dürfe aber kein Freibrief für das Aufstellen von Windkraftanlagen sein. Der wirtschaftliche Vorteil, den der Autobahnbau für das ganze Sauerland gebracht habe, sei ungeheuer wichtig für unsere gesamte Region gewesen. Von der Autobahn A 445 profitiere die ganze Tourismus - und Wirtschaftsregion, von fünf Windrädern lediglich der Betreiber und ein paar Waldbesitzer!".

Er appellierte an die Ratsvertreter, sich bei ihren Entscheidungen von den hier und heute verdeutlichten Fakten mit leiten zu lassen!

Klaus Wahle, Fachbereichsleiter Planung und Bauordnung der Stadt Meschede wies darauf hin, dass es für die Änderung des Flächennutzungsplanes wohl im September keine weitere Zurückstellung von Seiten des HSK mehr geben werde. Die Mitglieder von "Gegen Windkraft in Wäldern - Naturfreunde Ruhrtal e.V." hoffen verstärkt darauf, dass die neue CDU/FDP- Landesregierung den "Remmel-Erlass", der die Abstandsgrenzen drastisch nach unten gesetzt hatte, möglichst bald einkassiert. Bei einer Abstandsregel von 1500 m würden zwei Windräder wegfallen, da sie zu nahe am Oeventroper Hinterwald liegen.

Text u. Fotos: Franz-Josef Molitor

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Camera
NIKON D750
Focal Length
55mm
Aperture
f/8
Exposure
1/250s
ISO
250

Christoph Schmidt erläutert den Wegausbau

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Dr. Harald Gampe bei seinem Schlußplädoyer, rechts Dr. Frank Kintrup

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