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21.3.12.: 341 Feldpostbrief aus dem 1. Weltkrieg wurden an die Angehörigen übergeben

341 Feldpostbriefe aus dem 1. Weltkrieg
wurden 98 Jahre später ihren Familien in den Jahren 2011/2012 zugestellt!

Diethelm Müller sicherte einen postalischen und idellen Schatz vieler Dinscheder Familien

Am Anfang dieser Geschichte steht das Datum 5. April 1861!

An diesem Tag ereignete sich in Hachmanns Buchen hinter dem Plackweg, in der Nähe von Hachmann Jagdhütte ein folgenschweres Unglück, über dass 100 Jahre später in der Tageszeitung Folgendes geschrieben wurde:

Oeventrop. Auf dem Weg von Kreuzeiche nach Neuhaus steht ein einsames Waldkreuz, das im Volksmund „Schmitten Jüren Kreuz“ genannt wird. Es steht nun gerade 100 Jahre da und ist gesetzt zur Erinnerung an den Waldarbeiter Georg Spindelndreher (Thedors/Pietz) aus Dinschede, der an dieser Stelle mit seinem Bruder, „Schmitten Hännes“, mit Holzfällen beschäftigt war. Beim Umlegen eines Baumriesen schlug dieser im Sturz auf nebenstehende Bäume und Georg Spindelndreher kam unglücklicherweise unter das Baumende zu liegen. Erst nach vielen Bemühungen gelang es, ihn zu befreien, doch war ihm nicht mehr zu helfen; er starb an der Unglücksstelle auf dem „Hermannsblick“, nachdem es gelungen war, einen Priester zu holen.

Damals wurde ein Kreuz zur Erinnerung an diesen Unglücksfall errichtet, das später von den Nachkommen des Toten erneuert wurde. Es trägt die Inschrift „Georg Spindelndreher, Dinschede, 5.4.1861.“

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(Foto aus dem Buch: Kreuze, die am Wege stehn,
von Josef Pollmann)
                 

Durch einen anderen Unfall war der Bruder des tödlich Verunglückten Georg, Theodor Spindelndreher so schwer verletzt, dass er sein Leben lang schwerstbehindert war. Dieser beklagenswerte Umstand hatte auch zur Folge, das der Schuhmacher Theodor Spindelndreher im Verlauf des 1. Weltkrieges nicht zum Militär eingezogen wurde. Die Familie Spindelndreher hatte also schwere Schicksalsschläge in diesen Jahren wegstecken müssen. Deshalb war es für die vielen Dinscheder Freunde, die damals zu den Waffen gerufen wurden, eine Selbstverständlichkeit, Theo, wie versprochen, regelmäßig mit Postkarten aus der fernen Heimat Grüße zu übermitteln. Das Zusammenhalten der "Dinscheder Jäuste" war immer eine Ehrensache gewesen und wurde auch hier unter Beweis gestellt!

So sammelten sich damals im Hause Spindelndreher im Laufe der Jahre 341 Feldpostbriefe, die von Theodor liebevoll aufbewahrt worden waren. Irgendwann in späteren Zeiten wurde dann auch mal die ein oder andere Postkarte an die Familien der Absender als Andenken an einen gefallenen Dinscheder übergeben, aber nur in den seltensten Fällen; die meisten Postkarten blieben in seinem Besitz.

Eine dieser Postkarten bekam irgendwann mal der bekannte Oeventroper Installateurmeister Diethelm Müller von seinem Großvater Julius Müller aus der Königstraße in die Hände. Sofort war sein Interesse geweckt und er machte sich auf Spurensuche ist. So richtig erfolgreich war er in Sachen Feldpostbriefen aber nicht, bis er durch einen Zufall von Wolfgang Pietz, einem Enkel von Theodor Spindelndreher erfuhr, dass sich auf ihrem Dachboden in einer Plastiktüte hunderte von Postkarten aus dem 1. Weltkrieg befänden.

Wolfgang Pietz war sofort bereit, Diethelm Müller diesen Fund zu übergeben, damit er ihn sichten und verwalten möge.

Ein großer Teil der Postkarten war schon stark verrottet, die Feuchtigkeit hatte über Jahrzehnte dazu bei getragen. „Es roch fürchterlich nach Modder“, so Diethelm Müller, „ich habe die Postkarten wochenlang auf dem Dachboden trocknen lassen und dann jede einzelne Karte Wort für Wort gelesen!“ Das entzifffern war natürlich nicht ganz einfach, zum Einen war da die ungewöhnliche Sütterlinschrift und zum Anderen die zum Teil verblichene Tinte.

Verschickt worden waren die Karten aus Russland, Rumänien und Frankreich, aber auch aus einigen deutschen Garnisonstädten.

Bis auf ganz wenige Postkarten, auf denen sich der Absender nicht indentifizieren läßt, hat Diethelm Müller alle Feldpostbriefe an die Familien der Absender zurückgegeben – die sich mächtig über ein persönliches Stück ihres Vorfahren gefreut haben.                 fjm

Hier 5 Postkartenbeispiele - man beachte die saubere Handschrift der Absender!

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Am linken Rand dieser Postkarte vom 11.11.1916 steht:

"Es gibt aber nur ein Dinschede!"

Im Orginial hört sich das so an:

"Et giet mer eun Dinskere!"

Und so ist dieser inzwischen legendäre Spruch entstanden:

Der Dinscheder Bürger Johannes Bette (Großvater des heutigen Schützenoberst Johannes Bette), war zum Militärdienst einberufen worden.

Bei einem Morgenappell ruft der Spieß: "Musketier Bette, von woher kommen Sie?"

"Aus Dinschede, Herr Hauptfeldwebel!" antwortet Musketier Johannes Bette.

"Aus welchem Dinschede", fragt der Spieß!

Worauf Musketier Bette antwortet:

"Et giet mer eun Dinskere!"                                           fjm


Besagter Johannes Bette war in den Jahren 1945/46 als Treuhänder kommissarisch eingesetzter Schützenoberst unserer Bruderschaft.

Sein Enkel Johannes Bette ist nun schon über ein Jahrzehnt Schützenoberst unserer St. Sebastianus Schützenbruderschaft und befindet sich zur Zeit in seiner 4. Amtsperiode!

 




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