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1.7.12: Aus dem Leben eines Unternehmers: Die arme Drossel

Die arme Drossel

 

Ich bin es gewohnt, daß ich seit Jahren im immer größer werdenden Umfang in der Herbst- und Winterzeit bei mir zu Hause die heimischen Singvögel füttere.

Es wurde jährlich mehr Futter und die Schar der Vögel wurde immer größer. Ich füttere durchgehend von Allerheiligen, bis Ende April.

 

Mein Wohnzimmer besaß ein großes Außenfenster, von dem aus ich die beiden Futterplätze vorzüglich einsehen konnte. Morgens wurde das Futtergut ausgelegt und schon - ich war noch nicht ganz im Hause - ging das Schauspiel los: Zuerst kamen die größeren Vögel wie Krähen,

Tauben, Elstern und Eichelheere. Ab und zu verlief sich auch ein Specht und ein Eichhörnchen. Die kleinen Vögel hielten sich zunächst zurück.

 

Es war ein buntes, interessantes Treiben. Ich war ja Rentner und konnte die Tiere in aller Ruhe beobachten und deren Gepflogenheiten kennen lernen.

 

Wenn das Futter mal zur Neige ging, warteten sie scharenweise in den umgrenzenden höheren Bäumen. Es war immer ein Schauspiel. Ich habe mal über 1oo Vögel an den Futterplätzen gezählt. Die Nachbarn waren schon neidisch, daß bei ihnen die Vögel wegblieben.

Nach Beendigung der Futterperiode kamen immer noch einzelne Vögel und suchten vergebens nach Futter. Oft bin ich dann spontan losgefahren und habe noch in kleinen Mengen Nachschub geholt.

 

So saß ich eines Tages an meinem Holztisch an meinem Gartenhäuschen und hörte unter der rückseitigen Eckbank seltsame Geräusche. Um nachzuschauen, rückte ich Stuhl und Tisch zurück. Da kam zu meiner Überraschung eine Drossel neben mir hergelaufen und schleppte die von mir ausgestellte hölzerne Mausefalle hinter sich her.

Schnell verschwand sie im nahen Blumenbeet. Ich machte mir Sorgen, denn ich musste unbedingt die Drossel aus der Falle befreien. denn in diesem Zustand konnte sie ja nicht lange herumlaufen. Als ich im Blumenbeet nach dem Verbleib der Drossel suchte, flog diese plötzlich vor mir auf und davon.

Zunächst war ich erleichtert, doch dann fand ich die Mausefalle und sah zu meinem Entsetzen, daß in der Falle ein Beinchen der Drossel hing.

Nun machte ich mir wirklich große Sorgen, was würde wohl aus dem Tier werden? Würde es elendig verhungern? Ich musste oft an die arme Drossel denken, wie ist es ihr wohl ergangen mit dem einen Bein?

 

Zwei bis drei Monate waren vergangen. Ich war bei meiner jüngsten Tochter zum Mittagessen eingeladen, da meine Frau für einige Tage verreist war. Meine jüngste Tochter wohnt ca. 500 m Luftlinie von meinem Wohnhaus entfernt.

Da sah ich plötzlich vom Küchentisch aus, daß an dem nahen Futterkasten eine Drossel auf einem Bein umher hüpfte. Meine Tochter meinte hierzu, daß die Drossel seit einigen Wochen regelmäßig kommt und nach Futter sucht. Sie hatte sich schon gewundert, daß das Tier mit einem Bein lebensfähig ist. Die Drossel machte allerdings einen sehr munteren und gesunden Eindruck. Sie hatte überlebt und ich war beruhigt.

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