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18.11.13: "Erinnerungen sind ein Paradies, aus dem man nicht vertrieben wird!“

"Erinnerungen sind ein Paradies, aus dem man nicht vertrieben wird!“

Rudi Kearger erinnert sich an den 1947 gegründeten Mandolinenclub

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Gründerfoto von oben links: Rudi Kaerger, Helga Bunte, Erwin Wiedemann, Heinz Hillebrand, Ernst Mücke, Ruth König, Willi Schmidt und Max Preiß. Vier Vertriebene aus Schlesien und vier einheimische Bürger bildeten das Fundament des Mandolinenclubs.. Kaerger wohnte in Wennemen, Hildebrand wohnte auf der Domäne in Bockum und Preiß Max in Freienohl.

Rudi Käerger erzählt: „Jeden Sonntag sind wir zu Fuß nach Oeventrop marschiert, weil da das einzige Kino weit und breit war. Und dabei haben wir uns auf der großen Treppe, die außen am Haus hoch führte, kennen gelernt. Unter anderem lernten wir dabei auch „Schmidt´s Wilden“ kennen. Dieser sagte eines guten Tages im Jahre 1947 zu uns: „Wisst Ihr was, ich kenne den Ernst Mücke, der hat sich aus der kanadischen Kriegsgefangenschaft eine Gitarre mit gebracht, der kann gut spielen. Wir treffen uns dann mal bei uns im Wohnzimmer (in dem ehemaligen Mietshaus der Stuhlfabrik, gegenüber Bäckerei Hahne im 1. Stock) und üben dann mal fleißig und gründen einen Mandolinenclub.

Gesagt, getan und im Wohnzimmer der Familie Schmidt, zu der mehrere Kinder und die Eltern gehörten, die sich dann an den Probeabenden in die Küche zurückziehen mussten, wurde jeden Donnerstagabend fleißig geübt und später auch gespielt. Die ersten Erfolge lockten dann weitere Interessenten an und nach zwei Jahren zählte der Club schon gut und gerne an die 30 Musikanten. Längst war der Probenraum inzwischen von der Wohnung Schmidt ins Kolpinghaus verlegt worden.

Das war eine herrliche Zeit. Sonntags zogen wir mit 30 Spielleuten durch Oeventrop, haben gesungen und gespielt; wanderten zum Hasenacker, von dem man einen wunderbaren freien Blick über Oeventrop hatte.

Und dann, im Jahre 1949 kam „der Wilde“ an und sagte: „Wisst Ihr was, jetzt machen wir eine Busreise!“ Und schon wurde organisiert und getan und so startete im Jahre 1950 der erste Ausflugsbus der Firma Gustav Zacharias aus Freienohl mit Touristen, der jemals Oeventrop verlassen hat! Es war kein Komfortbus, aber mit klappbaren Zwischensitzen und so konnten wir mit 50 Personen starten. Erstes Ausflugsziel war die Mosel; später kam dann noch der Rhein hinzu. Zu den besuchten Städten gehörten Koblenz, Mayschoß, Cochem u.v.a., und überall erklang unsere Musik und ruckzuck hatten wir große Zuschauermengen um uns versammelt. Einmal waren wir auf dem Drachenfels, dort haben wir „dem Sänger vom Rhein“ die Schau gestohlen, weil alle Gäste von ihm zu uns herüber kamen. Der war darüber so sauer, dass wir uns fast geprügelt hätten. Eine Schlägerei konnte gerade noch vermieden werden.

Unsere Ausflugsfahrten hatte „der Wilde“ zuvor schon mit seinem Motorrad abgefahren und auch Quartiere für uns besorgt.

Eine besonders schöne Begebenheit muss ich noch erzählen: „Wir befanden uns auf der Rückfahrt von der Mosel an einem Sonntagnachmittag. In Poltersdorf machten wir in einer Gaststätte Rast. Wie üblich, wurden natürlich gleich die Klampfen rausgeholt und mehrere Liedchen gespielt und geschmettert. Es dauerte nicht lange, da hatten sich alle Bewohner von Poltersdorf in und vor der Gaststätte versammelt. Immer wieder hieß es: „Spielt uns doch noch, einen, und noch einen, und noch einen. Schließlich sagte einer der Einheimischen: „Bleibt doch heute Abend noch hier, wir schaffen Euch auch ein Quartier!“ In kürzester Zeit kamen die Bauern mit Strohbunden an, streuten diese im großen Saal aus und fertig war unser Nachtquartier; Männlein und Weiblein, alt und jung, Mitglieder des Mandolinenclubs und auch die rund 20 mitgereisten Oeventroper Gäste, die sich alljährlich um die Ausflugsfahrt rissen, weil kein anderer Verein so etwas anzubieten hatte.

Stolz erzählt Rudi Kaerger weiter: „Und so ging das viele Jahre immer weiter; wir haben auch sogar Konzerte gegeben. Der Freienohler Fuhrunternehmer Reznizak hatte einen LKW mit offener Pritsche. Der hat uns dann zu den Schützenhallen in der Umgebung gefahren; nach Berge, nach Wennemen u.a. Es war einfach eine herrliche unvergessene Zeit. Im Laufe der Jahre, so nach 25 Jahren hatte sich dann das Ganze beruhigt. Die stürmischen Jahre waren vorbei, die Leute waren älter geworden und so gegen 1970 wurde das Spielen eingestellt, weil wir auch keinen Nachwuchs mehr bekamen. Wir haben uns aber weiterhin regelmäßig getroffen, auch wenn nicht mehr so regelmäßig gespielt wurde. Mal bei Geburtstagen und dann noch mal beim 25-jährigen Jubiläum im Jahre 1972. Danach wurde es dann immer weniger bis schlussendlich dann das Ende kam.

Ich erinnere mich noch immer gerne an die Zeit zurück!“

Rudi Kaerger hat aus alten Bildern ein Video zusammengestellt, dass mit Originalmusik und Gesang des Mandolinenclubs unterlegt ist. Die Musik hat damals ein Herr Storm aus Freienohl auf Schallplatten aufgenommen. Der AKO hat von Kaerger eine DVD für das Archiv bekommen. Wir bedanken uns ganz herzlich dafür!

Text und 1 Foto: Franz-Josef Molitor

Die alten Bilder sind aus dem Archiv von Rudi Kaerger!

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Irgendwo an der Mosel

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Vor dem Kölner Dom

 

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Rudi Kaerger beim Betrachten seines Videos

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