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1.4.12.: Erinnerungen eines Unternehmers: Das Baggerloch

Das Baggerloch

An einem sonnigen, warmen Sonntag-Nachmittag waren wir zu Besuch bei unseren Verwandten in Düsseldorf. Die Kinder waren noch klein und so entschlossen wir uns kurzerhand, zum baden an ein nahe gelegenes Schwimmbad zu fahren. Dort angekommen, entdeckten wir, daß es kein öffentliches Schwimmbad war, sondern daß es sich hier um ein still liegendes Baggerloch (Kiesgrube) handelte, welches von der benachbarten Bevölkerung als illegaler Badesee benutzt wurde. In der dortigen Gegend gibt es viele Seen dieser Art, da sich in der Regel nach Beendigung der Baggerarbeiten die Gruben mit Wasser füllen.

Das Baden in solchen still liegenden Kiesgruben ist meistens streng verboten und sehr gefährlich, da sich im Wasser Untiefen befinden und die Uferböschung - im Wasser nicht erkennbar - plötzlich viele Meter steil abfällt. Auch an diesem Baggerloch befanden sich unzählige Verbots-Schilder.

Wir hatten Bedenken hier zu baden und blieben angezogen am Ufergras sitzen.

Direkt unter unserem Sitzplatz beobachtete ich eine badende junge Mutter mit drei Kinder im seichten, aber stark trüben Wasser. Das Wasser war aufgewühlt, lehmig braun und nicht besonders zum baden einladend. Trotzdem hatten die Kinder unter uns ihren Spaß und spielten mit einigen mitgebrachten Gummi-Tieren.

Da bemerkte ich plötzlich mit wachsender Unruhe, daß das kleinste der Kinder - ein Mädchen - sich immer weiter von der Mutter entfernte, und vergeblich versuchte, einen Ball zu erhaschen, der ihr aber immer wieder entglitt.

Die Mutter, die sich gerade mit den beiden anderen Kinder befasste, bemerkte nicht, daß das kleine Mädchen immer tiefer ins Wasser geriet.

Dann nochmals ein letzter Versuch von dem Mädchen, doch noch den Ball zu erhaschen und es war blitzschnell von der Bildfläche verschwunden und untergegangen. Für mich das höchste Alarmzeichen. Ohne auch nur eine Sekunde zu zögern, sprang ich auf, lief die kurze Uferböschung herunter, rief im vorbeilaufen der Mutter zu, daß ihr Kind untergetaucht war und lief dann in voller Montur weiter durch das trübe Wasser, auf die Stelle zu, wo der Ball war und das Mädchen verschwunden war.

Im trüben Uferwasser konnte man den Boden des Sees nicht erkennen. Auch ein Tauchgang wäre bei dem schmutzigen Wasser ohne Erfolg geblieben. Die Mutter schrie laut nach ihrem Mann. An der besagten, von mir vermuteten Stelle angekommen, tastete ich daher mit den Füßen den Boden ab und entdeckte das Kind nach wenigen Sekunden an meinem rechten Fuß. Es zappelte mit Händen und Füßen auf dem Grund herum.

Um das Kind nun aus dem Wasser zu ziehen, mußte ich mich mit meinem ganzen Körper tief bücken. Auch meinen Kopf mußte ich bei dieser Aktion voll unters Wasser tauchen.

Dann hielt ich das Kind in den Händen und schüttelte es mit dem Kopf nach unten in meinen Armen liegend kräftig durch. Ich war unglaublich erleichtert, als es plötzlich laut anfing zu schreien. Inzwischen war auch die Mutter bei mir. Ich übergab ihr das Kind, welches nochmals heftig hustete und auch etwas Wasser spuckte.

Dann gingen wir alle ans Ufer zurück, wo sich inzwischen eine kleine Menschentraube angesammelt hatte. Dann tauchte auch der Vater auf, der

- leicht alkoholisiert - in übelster Weise seine Frau ausschimpfte. Ich glaube, den Eltern war die Gefährlichkeit und mögliche Tragweite der Situation überhaupt nicht bewusst. Alle zusammen gingen dann wieder ohne ein Wort der Anerkennung oder des Dankes an mich an ihren höher gelegenen Liegeplatz zurück. Die Kleine lief schon wieder munter mit ihren Geschwistern herum.

So stand ich da noch etwas benommen von dem Ereignis, klitschenass von Kopf bis Fuß, und war ich froh, daß ich im Reisegepäck eine weitere Wäsche-Garnitur hatte.

Und die Moral von der Geschichte: erwarte niemals ein Dankeschön!

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